Lesung mit Ilse Vögler: Erinnerungen, die bleiben

Lesung mit Ilse Vögler: Erinnerungen, die bleiben

„Aufgewachsen auf einem Bauernhof in Würzberg. Das klingt nach idyllischer Kindheit und Landromantik. Doch es war nicht alles gut und schön.“
Mit dieser ehrlichen Erkenntnis beginnt Ilse Vögler (77) ihr Buch „Oma, erzähl uns mal wie’s früher war“ – und genau mit dieser Offenheit begegnete sie auch ihrem Publikum bei der Lesung in unserer Residenz.

Ilse Vögler, geborene Mohr, ist gemeinsam mit ihrer Schwester auf einem Bauernhof im Odenwald aufgewachsen. In ihrem Buch blickt sie ohne Verklärung auf diese Zeit zurück und beantwortet damit die vielen Fragen ihrer Enkel, die mehr über das Leben „von früher“ wissen wollten. Entstanden ist ein Erinnerungswerk, das persönlich und zugleich beispielhaft für viele Kindheiten in landwirtschaftlich geprägten Regionen steht.

Auf rund 150 Seiten – ergänzt durch etwa 220 Fotografien und Zeichnungen – führt die Autorin ihre Leserinnen und Leser in Ställe und Küchen, auf die Felder und durch die Jahreszeiten. Sie erzählt von Schule, Brauchtum, harter Arbeit, Elektrifizierung, Wasserleitungen, Schlachtfesten, Speisen und der Strickstube im Winter. Besonders eindrücklich wird dabei der harte Alltag der Menschen in den höher gelegenen Odenwalddörfern wie Würzberg spürbar – stets abhängig vom Wetter und seinen Folgen.

Die bewusst einfache, gut verständliche Sprache macht das Buch auch für ältere Kinder zugänglich. Humorvolle Gedichte in der örtlichen Mundart lockern die Erzählungen auf und sorgten auch bei der Lesung immer wieder für Schmunzeln: bodenständig, gewitzt und mit einem „Schalk im Nacken“, wie ihn viele aus eigener Erinnerung kennen.

 

Ilse Vögler verschweigt nichts, verklärt nichts – „die gute alte Zeit war beschwerlich“, wie sie selbst betont. Gleichzeitig wird deutlich, wie stark Gemeinschaft, Zusammenhalt und echte Begegnungen das Leben prägten. „Ein Leben ohne Fernseher, Handy und Computer – soziale Netzwerke waren Radio, Zeitung und die Menschen selbst“, erinnert sie sich. Ihren Enkeln rät sie: „Sucht euch wahre, echte Freunde, anstatt Follower und Likes.“

Die Lesung war ein besonderer Nachmittag voller Erinnerungen, ehrlicher Geschichten und lebendiger Vergangenheit. Ilse Vögler gelingt es, individuelle Erlebnisse so zu erzählen, dass sie für viele nachvollziehbar und berührend werden. Oder, wie sie selbst schreibt:

„Mein Buch hat keine letzte Seite. Es hat ein offenes Ende. Weil wir uns noch viel zu erzählen haben.“

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